Sportliches Debakel für Tabellenführer
Wilhelmshavener Regionalliga-Fußballer unterliegen Hamburger Bundesliga-Reserve mit 0:4
Wilhelmshaven UR Am vergangenen Sonnabend um 14.00 Uhr war die Welt beim Fußball-Regionalligisten SV Wilhelmshaven noch in Ordnung. Die Jadestädter thronten vor dem Beginn der Begegnung gegen Hamburger SV II an der Tabellenspitze. Als der souverän leitende Schiedsrichter Thomas Gornik die Begegnung um 15.45 Uhr abpfiff, taten sich Abgründe auf, die Schlimmes befürchten lassen (siehe Kommentar).
Sportlich gerieten die 90 Minuten für die Wilhelmshavener zum Debakel. Bereits zur Pause führten die keineswegs überzeugend auftretenden Hamburger deutlich mit 4:0. In der zweiten Halbzeit beschränkte sich der Bundesliganachwuchs darauf, den klaren Vorsprung nur noch zu verwalten gegen Wilhelmshavener, die sich auch durch das herrliche Spätsommerwetter nicht zu großen Taten inspirieren ließen.
Taktisch wählten beide Trainer gleiche Ausrichtungen. SVW-Trainer Predrag Uzelac vertraute auf seine zuletzt so erfolgreiche Formation, in der Marcus Storey wieder als einzige Spitze agierte. Lediglich im offensiven Mittelfeld nahm er eine Änderung vor. Für Daniel Beyer rückte der Slowene Maksut Azizi auf die rechte Mittelfeldseite in die Anfangsformation. HSV-Trainer Karsten Bäron betraute Dani Schahin erstmals in dieser Saison mit der Aufgabe als einzige Angriffsspitze. Der harmonierte dabei ordentlich mit dem überwiegend aus dem Mittelfeld heraus operierenden Rafael Kazior.
Beide Mannschaften begannen sehr verhalten, ließen es ein wenig an Engagement und Einsatzbereitschaft fehlen. Als sich schon rechte Langeweile auf den Rängen breit machte, verhalf die SVW-Abwehr den Hamburgern zu einem Erfolgserlebnis. Der sonst so zuverlässige Andreas Gaebler vertändelte im Abwehrzentrum den Ball. Der nachsetzende HSV-Angreifer Dani Schahin nahm das Geschenk dankbar an und brachte seine Mannschaft in Front.
Der Rückstand weckte ein wenig die Lebensgeister bei den Jadestädtern, die in der Folgezeit in der Eckballstatistik in Führung gingen. Das verdeckte aber nicht die mangelnde Qualität im Offensivspiel. Das Hamburger Abwehrzentrum mit dem zweikampfstarken Philipp Unversucht und dem baumlangen Benjamin Gorka nahm seinem Torhüter Raphael Wolf praktisch alle Arbeit ab. Benjamin Gorka war auch auf der Torlinie zur Stelle, als SVW-Angreifer Marcus Storey HSV-Torhüter Raphael Wolf schon passiert hatte, dann aber zu schwach abschloss.
Ganz anders ging es da im Wilhelmshavener Strafraum zu. Da summierten sich die Fehlleistungen, die der HSV konsequent nutzte. Erneut war es Dani Schahin, der ein Abstimmungsproblem zu seinem zweiten Treffer nutzte. Der absolute Tiefpunkt dann ein völlig verunglückter Rückpass von SVW-Mittelfeldspieler Jonathan Bourgault, den man getrost als Vorlage für den Hamburger Rafael Kazior werten durfte. Der hob das Leder mühelos über den herauseilenden Torhüter Amir Halilovic ins Netz. SVW-Torjäger Wojciech Pollok platzte angesichts solch haarsträubender Abwehrfehler der Kragen. Er ließ sich, gewissermaßen zum Abbau seines Frustes, zu einem unnötigen mit der gelben Karte bedachten Foul am Hamburger Abwehrspieler Matthias Haas hinreißen. Grund zum Ärgern gab es für die Wilhelmshavener noch einmal kurz vor dem Pausenpfiff. Da gab es erneut eine Kette von Aussetzern in der Abwehr, und wieder war der Hamburger Angreifer Dani Schahin Nutznießer, markierte seinen dritten Treffer.
Mit zwei neuen Spielern kamen die Jadestädter nach der Halbzeit aus der Kabine. Für Andreas Gaebler rückte Isaac Junior Ngole ins Deckungszentrum, und Daniel Beyer besetzte die rechte Mittelfeldseite. Für ihn musste Jonathan Bourgault weichen. Mit der Einwechselung der beiden gingen zahlreiche Umstellungen einher. Wojciech Pollok spielte nun in der Angriffsspitze an der Seite von Marcus Storey, Kapitän Waldemar Kowalczyk agierte im zentralen Mittelfeld und Marc-Andre Nimptsch, einer der wenigen mit Normalform, schaltete sich häufiger in die Offensive ein. Später kam dann noch Philipp Peters für den völlig enttäuschenden Maksut Azizi ins Spiel.
Alle Maßnahmen fruchteten jedoch nicht, allein Marcus Storey setzte mit Sololäufen gelegentlich Akzente. Da er jedoch zu oft allein auf weiter Flur stand, gelang es der HSV-Abwehr stets, den pfeilschnellen Amerikaner zu stoppen. Dessen Mitspieler hatten längst resigniert gegen Hamburger, die spielerisch nur Mittelmaß boten und sich in der zweiten Halbzeit nur auf das Verwalten des Halbzeitresultates beschränkten.
SV Wilhelmshaven – Hamburger SV II 0:4 (0:4)
SV Wilhelmshaven
Halilovic – Conrad, Gaebler (46. Ngole), Zinke, Suchy – Bourgault (46. Beyer), Nimptsch – Azizi (65. Peters), Pollok, Kowalczyk – Storey
Hamburger SV II
Wolf – Saka, Unversucht, Gorka, Haas – Behrens, Keita, Schmidt, Olumide(83. Rados) – Kazior (72. Hahn) – Schahin (83. Grove)
Torfolge:
0:1 (15.) Schahin, 0:2 (25.) Schahin, 0:3 (29.) Kazior, 0:4 (44.) Schahin
Gelbe Karten: Pollok (30.), Suchy (65.) – Kazior (43.), Haas (78.)
Schiedsrichter: Thomas Gorniak (Bremen), Assistenten Vincent Schuhmann (Lübeck) und Lukas Tauberbeck (Heide)
Zuschauer: 774
Quelle: Jeversche Wochenblatt





