„TuS Pewsum hat Sensationelles geleistet”
Das Interview führte BERNHARD UPHOFF
Pewsum. Als Dorfverein macht der TuS Pewsum in der Fünften Liga gegen namhafte Konkurrenten wie SV Meppen oder VfB Oldenburg eine gute Figur. „Es ist uns in den letzten zehn Jahren gelungen, eine sensationelle sportliche Leistung zu zeigen”, meint Eggo Schreitling. Im Interview mit der Emder Zeitung zieht der langjährige Manager eine positive Halbzeitbilanz. Durch das weiterhin verstärkte Profitum in der Oberliga wird es für die Pewsumer mittelfristig jedoch immer schwieriger. Heute wird in Barsinghausen über neue Chancen nach dem Ende dieser Krummhörner Ära diskutiert.
Emder Zeitung: Herr Schreitling, wie fällt Ihre Halbzeitbilanz aus?
Schreitling: Positiv. Mannschaft und Trainer haben die Herausforderung prima angegangen. Über die gesamte Hinrunde gesehen haben sie als Tabellenelfter mit 18 Punkten wesentlich mehr erreicht, als wir uns das anfangs ausgerechnet hatten. Für den TuS Pewsum bietet die neue Situation in der Oberliga einen großen Reiz. Aufgrund der enormen Leistungsstärke in der neu formierten Klasse und der hohen Anzahl von fünf Absteigern wussten wir, dass eine ganz schwere Saison auf uns zukommt. Durch die Neueinteilung sind starke Vereine wie SV Meppen oder Eintracht Nordhorn zu uns abgestiegen. Die Konkurrenz hat sich gewaltig gesteigert.
Wie hat sich die Mannschaft unter der Regie von Ewald Heikes sportlich entwickelt?
Sie hat unter der Regie von Ewald sehr konzentriert gearbeitet und sich auf jeden Fall taktisch weiterentwickelt. So konnten wir uns selbst bei Spitzenvereinen noch gut aus der Affäre ziehen. Das muss man immer unter der Voraussetzung unserer personellen und spielerischen Möglichkeiten sehen.
Wie beurteilen Sie die Konkurrenz?
Diese Fünfte Liga in Niedersachsen hat sich inzwischen zu einer Klasse entwickelt, die man durchaus als Halbprofitum bezeichnen kann. Vereine wie Nordhorn, Meppen, Havelse, Oldenburg, Rheden oder Langenhagen haben mehrere Spieler in ihren Reihen, die nur vom Fußball leben. Das zeigt bereits die Leistungsstärke dieser Klasse auf. Von diesen Dingen ist der TuS Pewsum als reiner Amateurverein weit entfernt. Für uns ist gerade dieser Vergleich hochinteressant. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass wir die Chance bekommen, gegen ehemalige Profivereine wie SV Meppen oder VfB Oldenburg zu spielen?
Ist der Klassenerhalt für den TuS Pewsum möglich?
Überraschenderweise hat sich die Situation eingestellt, dass etwa zehn Vereine um den Klassenerhalt kämpfen. Damit hatten wir so nicht gerechnet. Ich sehe unsere Möglichkeiten durchaus realistisch, dass wir den elften Tabellenplatz verteidigen können und über dem Strich bleiben.
Wie schwer kann sich der relativ kleine Kader des TuS Pewsum auswirken?
In meinen Augen muss man das relativieren. Wir haben 19 Spieler im Kader, was im Grunde genommen zufriedenstellend ist. Langzeitverletzte wie Ingo Ukena oder Florian Glindemann erschweren die Situation. Dann wird es eng. Natürlich würden wir gern 22 Spieler im Kader haben und davon mindestens 17 Mann gleich stark. Das aber ist in der Region Krummhörn/Emden Illusion.
Wie lautet Ihre Philosophie?
Wir vertreten schon über Jahre die Auffassung, mit unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten das Optimum herauszuholen. Das schaffen wir nach wie vor. Ob wir damit sportlich erfolgreich bleiben, müssen wir abwarten. Die Garantie für den Klassenerhalt gibt kein 22er-Kader, aber auch kein 16er-Kader.
Die von Trainer Heikes geforderten Neuzugänge für die Rückrunde wird es nicht geben. Kann das die zukünftige Zusammenarbeit belasten?
Das glaube ich nicht. Ewald kennt unsere Möglichkeiten. Er weiß aber auch, dass wir ständig bemüht sind, im Umfeld etwas zu bewegen. Man muss nicht nur den Personalbereich sehen. Wir haben Voraussetzungen geschaffen, die den Ansporn für die Mannschaft erhöhen. Der B-Platz hat ein Flutlicht erhalten, die Dränage des Hauptplatzes ist saniert worden, ein neues Sportheim wird gebaut, das Teammanagement wurde aufgestockt und ein Physiotherapeut wurde gewonnen. Wir haben kontinuierlich für Verbesserungen gesorgt. Ein Optimum für den Anspruch Oberliga werden wir hier nie zustande kriegen.
Welchen Standpunkt vertreten Sie?
Wir vertreten nicht die Meinung, dass die Oberliga das Nonplusultra ist. Natürlich wollen wir diese Klasse halten. Bei einem Abstieg geht die Welt in Pewsum aber auch nicht unter. Wir müssen wissen, wo wie herkommen. Wir kommen aus 17 Jahren Klassenerhalt Bezirksliga. Darauf ist es uns in den letzten zehn Jahren gelungen, eine sensationelle sportliche Leistung zu zeigen als ostfriesischer Spitzenverein. Die sucht ihresgleichen in Ostfriesland bei der gegebenen Basis als Dorfverein.
Wird die Bezirks-Oberliga in Zukunft das Auffangbecken der ostfriesischen Spitzenvereine sein?
Für einen Teil ja. Für Vereine, die wirtschaftlich etwas bewegen können, gibt es sicherlich auch andere Ambitionen. Es sei denn, der Niedersächsische Fußballverband kommt den Gedanken der jetzigen zweigleisigen Oberliga-Vertreter näher. Das Tannenbaum-System sollte für die Amateurvereine beibehalten werden. Ab der übernächsten Saison könnte dann unterhalb der eingleisigen Oberliga eine zweigleisige Verbandsliga geführt werden. Das wäre die Chance für die ostfriesischen Spitzenvereine, weiterhin auf Verbandsebene Fußball zu spielen.
Der NFV pocht auf die weitere, bereits beschlossene Kürzung. Sehen Sie die Chance, dass es zwischen Bezirksoberliga und Oberliga doch noch eine neue Liga eingeführt wird?
Die Mehrheit der jetzigen Oberliga-Vereine in den Staffeln Ost und West möchte dies gern. Darüber wird heute in Barsinghausen gesprochen. Dieses Ziel wird aber wohl nur mit sehr viel Überzeugungsarbeit und Einsicht aufseiten des NFV zu erreichen sein. Wenn der Verband für seine Amateurvereine etwas bewegen will, dann sollte er dieses System umsetzen.
Wie begründen Sie Ihre Meinung?
Durch die Einführung der eingleisigen Oberliga wird eine weitere Profiklasse im Amateursport eingeführt, damit die Kluft zu den neuen Regionalligen nicht so groß ist. So einen Aspekt sollte man aber auch konsequent nach unten hin deklinieren. Soll heißen, der Abstand von der Bezirksoberliga zu einer Profi-Oberliga darf ebenfalls nicht zu groß werden. Ein Amateur muss sich auch weiterhin mit anderen Bezirken im NFV messen können.
Worauf freuen Sie sich in der Rückrunde besonders?
Auf unseren Klassenerhalt.
Herr Schreitling, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Quelle: Emder Zeitung





