Özkan bestraft Fahrlässigkeiten

FUßBALL-OBERLIGA VfL-Stürmer erzielt späten Ausgleich im Oldenburger Stadtderby

Der VfB war 70 Minuten lang das klar bessere Team. Erst in der Schlussphase wurde der VfL etwas mutiger.

VON HENNING BUSCH

OLDENBURG – Fassungslosigkeit, Wut und Verbitterung bei den Blauen – Jubellaune, Ausgelassenheit, aber auch ein Schuss Ungläubigkeit bei den Grünen: Für Emotionen sorgte das über weite Strecken sehr einseitige Stadtderby zwischen den Oberliga-Fußballern des VfB und VfL Oldenburg, das am Sonntag vor 6331 Zuschauern 1:1 (1:0) endete, vor allem nach dem Schlusspfiff.

Soeben hatte die Mannschaft von VfL-Trainer Frank Claaßen das Kunststück fertig gebracht, gegen 70 Minuten drückend überlegene VfBer mit dem einzigen Torschuss der Gäste in der gesamten Partie überhaupt erneut einen Punkt aus dem Marschwegstadion zu entführen. Dazu wäre es aber niemals gekommen, wenn die Elf von VfB-Trainer Joe Zinnbauer nicht so extrem fahrlässig mit den mehrmals schön herausgespielten Torchancen umgegangen wäre.

„Doofheit muss bestraft werden“, brachte es VfB-Torwart Christian Meyer verärgert auf den Punkt. „Wir sind selber Schuld – wir hätten 6:0 gewinnen müssen, machen aber die Tore nicht“, zeigte sich Sebastian Ghasemi-Nobakht stellvertretend für seine Nebenleute selbstkritisch.

Dabei hatte er den VfB völlig verdient mit einem exakt gezirkelten Freistoß aus 24 Metern in Front gebracht (22.). Zuvor hatten Marcel Salomo (10.), Mehmet Koc und (12.) und Alexander Burgardt (12.) aber bereits beste Einschusschancen vergeben.

Auch danach brachten die Platzherren die VfL-Abwehr, in der überraschend der für einige Wochen ins Ausland entschwundene Stephen Attoh aufgeboten wurde, immer wieder in Verlegenheit. Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff köpfte Salomo noch mal knapp über das VfL-Tor (44.).

Auch nach Wiederbeginn dominierte zunächst der VfB, vergab aber durch Ghasemi-Nobakht (66.) und Leo Baal (66.) erneut die mögliche Vorentscheidung. Das sollte sich rächen. In dem Maße wie die Gastgeber plötzlich in ihrem Angriffsdruck nachließen, wurde der VfL mutiger. Claaßen ging volles Risiko, wechselte in Philipp McKennie (71.) und Renke Pflug (80.) zwei weitere Offensivspieler ein und wurde belohnt.

Malte Müller spielte Sebastian Ferrulli auf Rechts frei, dieser sah den heraneilenden Cüneyt Özkan, der den sehr schmeichelhaften Ausgleich erzielte (83.). „Wir hätten natürlich schon viel höher zurückliegen müssen, haben aber immer an uns geglaubt“, bilanzierte der Stürmer. Was folgte, war Jubel in Grün-Weiß und Ärger in Blau-Weiß.

DERBY-STIMMEN

Joe Zinnbauer (VfB-Trainer): Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir einen anderen Gegner bislang so bespielt haben wie den VfL. Einziges Manko ist, dass wir das Tor nicht treffen. Dieses Unentschieden ist für mich wie eine gefühlte Niederlage. Dennoch werden wir den Kopf nicht hängen lassen.

Frank Claaßen (VfL-Trainer): Ich gebe zu, ich bin heute sehr glücklich. Wir haben es vorab beim VfL nicht leicht gehabt und da waren wir auch froh, dass wir Attoh einsetzen konnten. Der kommt und geht zwar, wie er will, aber in unserer Situation, bezogen auf die Spielerdecke, frisst der Teufel eben Fliegen.

Christian Thölking (VfB Spieler): Mir fehlen einfach die Worte. Wir hatten den VfL im Griff und verpatzen den Sieg dann noch so.

Ulf Kliche (VfL-Co-Trainer): Das war von uns an Effektivität nicht zu überbieten – aber natürlich sehr, sehr glücklich.

Quelle: Nordwest Zeitung

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