„Sponsoren und Umfeld gewinnen wieder Vertrauen“
Von Uli Mentrup
Meppen.-Eine durchweg positive Zwischenbilanz zieht der Vorstandssprecher des SV Meppen, Andreas Kremer, vier Monate nach seiner Wahl. Sportliches Ziel bleibt mittelfristig die 3. Liga. Das Interview im Wortlaut:
In den ersten 100 Tagen im Amt sollen die ersten Weichen gestellt werden. Zugleich endet die Schonfrist. Sie wurden vor vier Monaten gewählt. Haben Sie als Vorstandssprecher des SV Meppen schon einen raueren Wind erfahren?
Die Schonfrist hat genau mit der Wahl aufgehört. Als Bilanz kann man sagen, dass der gesamte Vorstand die neue Aufgabe in puncto Zeit sehr, sehr unterschätzt hat. Es war extrem viel aufzuarbeiten. Jetzt kommen wir immer mehr in den gewünschten operativen Verlauf.
Wie lautet die erste wirtschaftliche Zwischenbilanz?
Zuerst einmal unser Dank an die Stadt Meppen, dass sie überhaupt unseren Neustart ermöglicht hat. Aber wir haben festgestellt, dass es doch einige Forderungen gibt, die wir vorher nicht kannten, die im Schuldenstatus nicht vertreten waren. Wir müssen mit dem alten Präsidium aufarbeiten, wie wir damit umgehen. Wir können bis dato sagen, dass wir uns wirtschaftlich solide aufgestellt haben. Wir spüren, dass Sponsoren, auch neue, Vertrauen in den Verein gewinnen. Sie diskutieren mit uns über 5000 bis 50000 Euro. Das sind für uns Signale, dass auch das Umfeld langsam wieder ein gewisses Vertrauen in den SV Meppen bekommt. Zudem gibt es nicht mehr permanent Hiobsbotschaften.
Auch die Spieler werden wieder pünktlich bezahlt?
Ich habe direkt nach unserer Wahl zur Mannschaft gesagt, dass wir nach Möglichkeit dafür sorgen wollen, dass die aktuellen Gehälter pünktlich gezahlt werden. Das ist gelungen. Es ist doch immer die Frage, welche Motivation, welche Power kann ich von einer Mannschaft erwarten, wenn die rudimentären Dinge nicht funktionieren.
Spüren Sie Folgen der Wirtschaftskrise?
Die wird auch uns treffen. Wir können doch keinem Sponsor, der seit Jahren den Verein fördert, die Pistole auf die Brust setzen, wenn er dieses Jahr nicht zahlen kann. Diesen Unsicherheitsfaktor hat zurzeit jeder Verein.
In welchen Bereichen hakt es noch, in welchen klappt es?
Man muss sich in der gesamten neuen Konstellation natürlich erst einmal finden. Im Groben funktioniert es schon ganz gut, auch in der Organisation mit dem Vorstand, mit der Geschäftsführung und mit der Geschäftsstelle. Das Vertrauen untereinander ist sehr groß. Wo es noch hakt, das sind die Schnittstellen zu den anderen sportlichen Bereichen.
Sportlich hatten Sie die Parole ausgegeben, dass der Verein im Jahr 2012 zu seinem 100-jährigen Bestehen im bezahlten Fußball spielen soll – also in der 3. Bundesliga. Sehen Sie noch kurzfristig Chancen auf den Regionalligaaufstieg?
Kurzfristige Chancen sehe ich immer. Aber wir sind davon abhängig, wie Oldenburg spielt. Unser Ziel muss sein dranzubleiben, schon im Hinblick auf den direkten Vergleich am 8. Mai in Meppen. Wir müssten es dann schaffen, eine fünfstellige Zuschauerzahl ins Stadion zu bekommen, Gegen Nordhorn sind 8700 gekommen, gegen Oldenburg sollten mindestens 1300 mehr möglich sein. Ob wir 2012 in der 3. Liga spielen, kann man heute nicht definitiv sagen. Das Ziel ist da. Aber wenn es 2013 wird, dann eben ein Jahr später.
Das Lizenzierungsverfahren läuft. Erwarten Sie Probleme?
Alle Unterlagen sind vollständig eingereicht. Ich gehe davon aus, dass wir problemlos durchlaufen.
Ist der vom DFB vorgeschlagene Regionalligaetat von 1,4 bis 1,5 Millionen Euro realistisch zu bewerkstelligen?
Das ist ein Vorschlag, kein Zwang. Auch in unserer Liga gibt es höhere Etats als bei uns. Wenn wir den Sprung in die Regionalliga schaffen, ist das ein weiteres Signal für Umfeld und Sponsoren, sich noch mehr für den SV Meppen zu interessieren, wodurch das Budget ausgebaut werden kann. Unser Motto bleibt: Mit den gegebenen wirtschaftlichen Mitteln den maximalen Erfolg zu erzielen. Wenn wir den maximalen sportlichen Erfolg wollten mit den maximalen wirtschaftlichen Mitteln, die wir eventuell gar nicht haben, wäre das ein Fehler, wie er in der Vergangenheit in Teilbereichen gemacht wurde. Das können und wollen wir uns nicht erlauben.
Wie weit sind die personellen Planungen für die kommende Saison gediehen?
Ich glaube, dass wir mit Verträgen drei Viertel unserer Hausaufgaben erfüllt haben. Es gibt Gespräche, die wir in der Woche nach Ostern abgehakt wissen wollen. Wir setzen weiter auf junge Spieler aus den eigenen Reihen. Das ist ein wichtiger Faktor. Auch mit Hubert Hüring stehen wir im Gespräch.
Gibt es eine zweigleisige Planung für die Ober- und die Regionalliga?
Nein. Wir setzen auf die gleiche Mannschaft. In Teilbereichen könnten wir uns bei einem Aufstieg nach Möglichkeit verstärken.
Wie sähe der Oberligaetat im Vergleich zum Regionalligabudget aus?
Ich möchte in der gegenwärtigen Findungsphase noch nicht mit konkreten Zahlen nach draußen gehen.
Käme der Aufstieg in eine weiter wenig attraktive Regionalliga vielleicht zu früh?
Nein. Wir müssen uns entsprechend positionieren. Wenn die Regionalliga kommt, ist sie eine neue Herausforderung für uns, die wir geplant haben. Aber es stimmt, die Regionalliga ist unattraktiv. Es spielen zu viele zweite Mannschaften in der Klasse. Man muss versuchen, aus dieser Liga relativ schnell wieder herauszukommen.
Quelle: Emslandsport





