„Aggressive“ Alemannen und „brave“ Biener
Emsland. „Hart zum Ball – fair zum Gegner“ — im DFB-Pokal trugen die Einlaufkinder in dieser Woche T-Shirts mit dem Slogan dieser aktuellen DFB-Fair-Play-Kampagne. Wie fair die niedersächsischen Fußballer miteinander umgehen, wird Jahr für Jahr beim VGH-Fairness-Cup ermittelt. In der Halbzeitbilanz von Deutschlands größtem Fairnesswettbewerb entpuppt sich Oberligist SV Holthausen-Biene als emsländischer Vorzeigeclub, während Kreisligist Alemannia Salzbergen emslandweit in Sachen Fairness das Schlusslicht bildet. Weil der SV Esterwegen und der SV Sigiltra Sögel im letzten Sommer aus der Kreisliga abgestiegen sind, tauchen die beiden fairsten Emsländer der letzten Saison diesmal nicht auf.
Nur 67 Mannschaften kamen vor der Winterpause sowohl ohne Gelb-Rote als auch Rote Karte aus und beschäftigten auch nicht die Sportgerichte. Darunter mit dem SV Holthausen/Biene, dem SV Union Meppen und der DJK Geeste auch drei emsländische Vertreter. Die Biener landeten unter allen 1065 Mannschaften auf dem neunten Rang und sind damit das mit Abstand bestplatzierte Emsland-Team.
In 42 von insgesamt 47 Fußballreisen führen Kreisligisten die Fairnesswertung an. Nur in fünf Kreisen nehmen höher spielende Mannschaften die Spitzenposition ein: Oberligist SV Holthausen/Biene ist eine davon. Sehr zur Freude von Alo Weusthof. „Das finde ich großartig. Ich freue mich außerordentlich“, so Bienes Trainer. „Ich sehe es auch als Qualitätsmerkmal, dass wir in der Oberliga auf Platz 1 liegen. Und ich empfinde das als Markenzeichen, das letztlich auf den Verein zurückfällt.“ Weusthof hofft, dass seine Mannschaft den Fair-Play-Gedanken in der Rückrunde weiter umsetzen kann, denn natürlich könne in Zweikämpfen immer viel passieren. „Das sind Prinzipien, die mich schon lange begleiten, die ich von meinen Spielern erwarte und die ich selber vorlebe.“Weusthof ist sich seiner Vorbildfunktion bewusst. „Ich bin in meiner Tätigkeit als Trainer kein einziges Mal auf die Tribüne verwiesen worden.“ Nur einmal, als er 1994 mit Kickers Emden in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga stand, sei er in die Kabine des Schiedsrichters gegangen und habe interveniert. „Ich habe ihm gesagt, dass er so nicht weiterpfeifen kann.“
An der Spitze der Fairnesswertung liefert sich ein Trio ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der SV Heiligenfelde und Viktoria Gesmold „sammelten“ dabei in jeweils 17 Partien je 13 Gelbe Karten und kommen auf einen Zwischenwert von 0,76 Punkten, die Lechtinger liegen mit 14 Gelben bei 0,82 Zählern nur knapp dahinter.
Von solch einer Platzierung kann das Fairness-Schlusslicht von FC Firat Bergen (in 17 Spielen 58 Gelbe, 13 Gelb-Rote und vier Rote Karten sowie vier Sportgerichtsurteile) nur träumen. Auf Platz 1053 von 1065 Teams liegt der „unfairste“ emsländische Verein: Spieler des SV Alemannia Salzbergen wurden in 18 Partien 63-mal verwarnt, erhielten drei Ampelkarten und zwei Rote Karten. Dementsprechend befasste sich das Sportgericht zweimal mit der Truppe des Trainerduos Karl-Heinz Schubring und Matthias Ricken, die bei zwei Zählern Vorsprung auf die Abstiegsplätze um den Ligaverbleib zittern muss. „Das kann natürlich keiner gutheißen, dass wir in dieser Wertung so weit hinten liegen. Auf der anderen Seite kann ich mir nichts dafür kaufen, wenn ich in der Fairnesstabelle vorne liege, aber am Ende absteige“, sagt Schubring. Er sieht vor allem die schwierige personelle Situation als Grund für die Kartenflut. „Als wir unsere große Verletztenmisere hatten, waren einige Spieler dem Stress nicht gewachsen.“ Viele Spieler seien aus der A-Jugend gekommen und dementsprechend jung und heißspornig. „Unsere Spielweise hat sich gegenüber der letzten Saison nicht verändert. Wir spielen schon körperbetont, haben aber viele Karten wegen Meckerns gesehen. Ich bin aber schon lange dabei und habe noch nie einen Spieler aufgefordert, übermäßig hart in die Zweikämpfe zu gegen“, unterstreicht Schubring. Er spreche vor jedem Spiel an, „dass es keinen Sinn macht, sich mit dem Schiedsrichter anzulegen“.
Das sportliche Aushängeschild des Emslandes findet sich in der Wertung dagegen in der Grauzone wieder. In 17 Spielen verbuchte Regionalligist SV Meppen 38 Gelbe, drei Gelb-Rote und zwei Rote Karten. Bedeutet: Platz 616.
Aufgestiegen in die Kreisliga und damit neu in der Auflistung sind die DJK Geeste (Rang 111), SV Grenzland Twist (428), SV Varenrode (501) und Eintracht Papenburg (794.). Abgesehen davon machte Landesliga-Absteiger SC Spelle-Venhaus den größten Sprung nach vorn. Im Sommer noch auf Position 690, nimmt die Mannschaft von Siggi Wolters aktuell den 292. Platz ein. Die meisten Plätze eingebüßt hat dagegen der TuS Haren. Der Kreisliga-Vierte stürzte von Platz 333 auf 897 ab.
Fast schon traditionell führt Osnabrück-Land auch mit großem Abstand die Fair-Play-Tabelle der 47 NFV-Kreise mit einem Durchschnittswert von 2,42 Punkten. Das Emsland (Wert: 3,0) liegt auf Platz 21. Schlusslicht im Kreisvergleich sind die 22 Celler Mannschaften mit durchschnittlich 4,14 Punkten.
Ausgewertet wurden rund 9000 Spiele von 1065 am Wettbewerb beteiligten Teams von den niedersächsischen Kreisligen bis zur 1. Bundesliga. Gezählt wurden Gelbe (je ein Strafpunkt), Gelb-Rote (je drei Strafpunkte) und Rote Karten (je fünf Strafpunkte). In die Wertung fließen aber auch das Nichtantreten von Mannschaften und Sportgerichtsurteile (je zehn Strafpunkte) ein. Die Summe der Strafpunkte geteilt durch die Anzahl der bisher bestrittenen Saisonspiele ordnet allen Teams einen Quotienten zu.
Der VGH-Fairness-Cup wurde 1992 zunächst als Hermann-Neuberger-Cup ins Leben gerufen. Zunächst beschränkte sich der Wettbewerb auf Herrenmannschaften von der Bezirksklasse bis zu den niedersächsischen Teams auf DFB-Ebene. Danach wurde die Fairness-Wertung aber bis auf sämtliche Kreisligen ausgedehnt.
Zweimal wurde die Wertung von einem emsländischen Verein gewonnen. Der SV Wippingen siegte 1994 und 1995.
Quelle: Emslandsport






